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Gin Sonderedition – Wenn ein Trend zu weit geht…

Limited Edition, Distillers Cut und Co.

Mit diesem Artikel wollen wir unsere Leser und hoffentlich auch den ein oder anderen Gin Produzenten einmal zum Umdenken bewegen und vielleicht auch auf dieses Thema aufmerksam machen. In den letzten Monaten und Wochen ist uns aufgefallen, dass sehr viele Gin Hersteller nun versuchen Sondereditionen mit Sammelcharakter auf den nationalen und internationalen Markt bringen zu müssen. Monkey 47 hat vor einigen Jahren mit dem Destillers Cut wohl mit dem Trend begonnen, aber mittlerweile meint wirklich jeder Hersteller irgendeine Sonderedition von seinem Gin auf den Markt werfen zu müssen. Muss das den wirklich sein?

Echt jetzt ein Gin für 100 Euro? Ja es ist eine Limited Edition oder ich glaub kaum das Blattgold und Safran als „Botanicals“ gedient haben oder?

Warum machen das die Hersteller?

Im Marketing gibt es den Begriff „künstliche Verknappung“. Bei der künstlichen Verknappung wird der potentielle Kunde unterbewusst unter Druck gesetzt, damit er nicht lange überlegt und das Produkt schneller kauft. Normal plant man ja einen Kauf – Spontan Käufe ab 50 Euro sind eher die Seltenheit, außer man hat natürlich seine Millionen auf dem Konto. Dieser Trend der künstlichen Verknappung ist nicht nur bei Gin Herstellern in den letzten Jahren rapide angewachsen, sondern auch bei Turnschuhen (Nike, Adidas und Co.). Klar ist es schön ein Unikat zu besitzen (so denkt man zumindest), aber dieses Unikat ist eigentlich ein Produkt, dass sehr häufig auf den Markt geworfen wurde, aber eben nicht „unbegrenzt“. Keiner würde heute in den Supermarkt laufen und alle Tanqueray Gin Flaschen zu überteuerten Preisen kaufen, den Jedem ist bewusst, das er den Gin eben sowieso immer bekommt und genau das machen sich die Gin Hersteller immer häufiger zu nutze.

Die Sonderedition, die auf den Markt gelangen fangen oft nicht bei 30 Euro auch nicht bei 40 Euro an, sondern meist bei 60 – 70 Euro für einen Gin mit „besonderen Zutaten“. Wir möchten hier auch nochmal betonen das wir hohe Qualität schätzen und auch wissen das Qualität seinen Preis hat, aber die Kunden dazu verleiten ein überteuertes Produkt zu kaufen nur weil andere Botanicals, eine andere Lagerung oder ein anderes Flaschendesign angewendet wurde, finden wir schon etwas übertrieben und einer gewissen Weiße auch gemein. Nur weil andere Botanicals verwendet wurde, die Rezeptur wahrscheinlich auch öfter getestet wurde oder auch Entwicklungsarbeit gekostet hat muss man doch nicht gleich versuchen Mondpreise für ein Produkt das nur Aufgrund der Vermarktungsstrategie „künstliche Verknappung“ hergestellt wurde an den Endkunden zu bringen. Wir sind gerne bereit eine größere Summe Geld für einen guten Gin in die Hand zu nehmen, aber nur gut finden wir ihn nicht weil er eine „Limited“ „Distillers Cut“ oder Sonstige Version ist!

Gin Sul treibt es in unseren Augen mit unterschiedlich farbigen Deckeln derzeit an die Spitze. Mittlerweile werden die Gin Flaschen von Fogo de Sul mit unterschiedlich gefärbten Deckeln versehen, um hier den Sammler noch schneller darauf aufmerksam zu machen. Natürlich kann man als Hersteller jetzt sagen das der Verkaufspreis immer der Gleiche ist und das der Handel auf Ebay und Co. Eigentlich gar nicht gewünscht ist – aber dennoch wagen wir zu unterstellen das hier beim Designen der Flasche immer der Abverkaufs Gedanke an Sammlern mitschwingt.

Liebe Produzenten und Gin Hersteller, wenn ihr ein tolles Rezept und oder eine tolle Idee habt, dann vermarktet sie doch langfristig zu einem fairen Preis ohne künstliche Verknappung so hat der Endkunde auch Etwas davon und ihr als Gin Hersteller profitiert langfristig davon, da der Gin sich über die Zeit eine Fan-Gemeinschaft aufbauen kann.

Ist eigentlich nicht jeder Small Batch Gin eine Sonderedition?

Eine weitere Frage, die sich für uns ergibt und mit der man sich einmal beschäftigen sollte: „Ist eigentlich nicht jeder echter Small Batch Gin eine Sonderedition, Special Edition oder Distillers Cut?“ Beim Small Batch Verfahren werden je Brand nur eine begrenzte Menge an Gin destilliert. Es gibt Destillen die ehrlich Small Batch Gins auf den Markt bringen da sie wirklich mit sehr kleinen Brennkesseln arbeiten (z.B. 150 Liter), aber es gibt eben auch Destillen, die mit 5000 Liter meinen immer noch einen Small Batch Gin produzieren zu können. Warum wird der Name Small Batch nicht einmal endlich geschützt dann würde vielleicht auch des Sonderedition Thema bald der Geschichte angehören, den je nach Batch kann auch ein Gin schon im Geschmack ein anderes Aroma mit sich bringen.

Das ein Small Batch Gin im Geschmack variiert kann verschiedene Gründe haben, so kann es zum Beispiel sein das der Gin mit anderen Botanicals destilliert wurde, vielleicht wurden diese nur 3 Monate gelagert und nicht 6 Monate. Beim Small Batch Gin kann es trotz gleichbleibenden Rezepts auch zu Geschmacksunterschieden kommen und somit ist es ja dann doch irgendwie auch eine Gin Sonderedition oder?

Warum schreiben wir den Artikel?

Im Internet sehen wir immer wieder Distillers Cut von Monkey 47 die bis zu 1.000 Euro ja Flasche kosten. Ja diese Flaschen sind selten, keiner Frage – aber mal ganz ehrlich wie viele Leute können bei einer Blindverkostung den Geschmacksunterschiede einer Sonderedition wirklich herausschmecken bzw. wie viele Leute trinken heute eigentlich noch die Sondereditionen und Distillers Cut?  Mit diesem Artikel wollen wir einfach nochmal wach rütteln bevor man sinnlos das Geld aus dem Fenster wirft, es gibt auch guten Gin, der kein Distillers Cut oder eine Sonderedition ist und das dann auch noch zu einem fairen Preis.

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1 Kommentar

Gin Sonderedition - Wenn ein Trend zu weit geht... - Libations Guild 21. Oktober 2019 at 15:58

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